"Die Weiten in mir"

Nils-Aslak Valkeapää (1943-2001) aus Finnland war einer der bedeutendsten samischen Künstler. Seine Poesie (die ich mangels Kenntnis der samischen Sprache leider nur in schwedischer Übersetzung lesen kann) spricht stark zu meinem Herzen und meiner Seele. Um euch daran teilhaben zu lassen, habe ich Ausschnitte aus seinem Buch "Ruoktu Váimmus" (Die Weiten in mir) - basierend auf der schwedischen Übertragung - für euch ins Deutsche übersetzt.


Feuer
 
All dies ist mein Zuhause,
diese Fjorde, Flüsse, Seen,
die Kälte, das Licht, das strenge Wetter.
Der Weiten Nacht und Sonnenseite,
Freude und Kummer,
Schwestern und Brüder.
All dies ist mein Zuhause,
und ich trage es in meinem Herzen.
 
 
 
Der Wind wehte, die Weiten sprachen.
 
Ich entzündete ein Feuer,
wärmte das Gemüt,
die Gedanken flogen davon mit den Funken.
 
Die Nacht kroch näher,
das Feuer brannte sicher;
ohne zu schlafen
träumte ich wahr
des Lebens Träume.
 
In dieser Nacht versprach ich mich den Weiten,
schenkte als Hochzeitsgabe meine Sinne
und mein offenes Herz,
und viel erhielt ich als Brautgabe.
 
Die ersten Strahlen begannen zu leuchten,
entzündeten Licht in des Taues Perlen;
der Tag bricht an über dem Eis der Nacht
wie Silberstern, Goldring.
 
 
 
Dies ist mein Leben:
Winde und Schneetreiben,
Sonnenschein und Sprühregen,
Schellengeläut und Hundegebell,
des Blaukehlchens Klang
in den Armen des Ozeans der Weiten.
 
So fällt meines Lebens Regen,
Winde wehen,
Eis grollt,
Stürme pfeifen über die Weiten.
 
Dies ist mein Leben,
seine Sorgen, Tränen, das Weinen des Herzens,
seine Freude, sein Glück
und seine Wonne,
gestern und heute,
Brüder und Schwestern,
Kinder und Alte,
Männer und Frauen.
 
Dies ist mein Leben:
Ich bin ein Teil der Natur,
das fühle ich, das weiß ich;
des Windes Jojk in des Windes Wehen,
des Vogels Zwitschern in der Sommernacht.


Nicht kann ich glauben an Frieden in der Welt,
wenn es Völker gibt, die nicht nach ihren Bräuchen leben dürfen,
mit eigenen Zielen, in eigenem Land.
Nicht kann ich glauben, dass es so viele verschiedene Völker gibt in dieser Welt,
verschiedene Menschen, verschiedene Gedanken, für nichts.
Nicht kann ich glauben, dass es so viele verschiedene Pflanzen gibt,
so viele verschiedene Insekten,
verschiedene Tiere,
ohne irgendeinen Sinn.
 
Und sei es nur
als Freude für das Auge, als Wonne für das Gemüt.
Aus irgendeinem Grund gibt es Berge, Weiten, Gipfel.
Aus irgendeinem Grund sind auch die Bäume nicht gleich und gibt es sie auch nicht überall.
 
Andere Bräuche, andere Sichtweisen,
erwachsen auf hartem Schnee, auf Eis, auf heißem Sand,
auf Ackerboden, in Regenwäldern, auf hohen Bergen.
 
Eine Gabe der Natur, ein Geschenk,
sich in anderen Gegenden zurechtzufinden, und unter anderen Bedingungen.


 
 
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