Magie des Nordens
Magie der Vegetation

Auch ohne selbst zum Volk der Sámi zu gehören, bin ich durchdrungen von ihrer starken Naturverbundenheit und empfinde in vielen Dingen so oder ähnlich wie sie. Viel habe ich gelernt in Sápmi, in den nördlichen Regionen Skandinaviens, und nirgends spüre ich meine Kräfte so unmittelbar wie im hohen Norden. Deshalb ist es für mich so wichtig, immer wieder dorthin zu fahren - quasi um mich "aufzuladen", direkt an der Quelle meiner Magie. Natürlich habe ich inzwischen auch einige Methoden entwickelt, diese Quelle auch von anderen Breitengraden aus "anzuzapfen"; mehr darüber erfahrt ihr im Kapitel 'Die Schneeflocke'.

Als Kind der Erde und der Sonne behandele ich die Schöpfung mit großem Respekt und mit Liebe. Jeden Morgen wende ich mich nach Osten, begrüße meine Mutter, die Erde, und meinen Vater, die Sonne, und bitte sie um einen guten Tag. Ich weiß, dass sie mir geben werden, was ich brauche und was für mich wichtig ist. Ich kann auch gezielte Bitten an sie richten, wenn ich weiß, dass z.B. an dem entsprechenden Tag eine besondere Aufgabe auf mich wartet. Danach vertraue ich ganz der Weisheit der Natur. Deshalb gerate ich auch nicht in Verzweiflung, wenn etwas nicht so läuft, wie ich mir das vorgestellt habe. Das ist zum Beispiel etwas, was ich von den Sámi gelernt habe: Die Natur weiß, was sie tut. Auch wenn es für uns manchmal nicht oder nur schwer zu begreifen ist.

Magie der Vegetation

Wenn die Erde meine Mutter ist und die Sonne mein Vater, dann bin ich verschwistert mit allem, was Seele hat - und das ist alles in der Natur. Die Tiere und die Pflanzen, aber auch die Steine, das Wasser, der Wind, der Regen - sie alle sind meine Schwestern und Brüder. Deshalb kann ich auch über keine Form von Wetter Ärger empfinden. Erstens weiß die Natur, was sie tut, und zweitens sind selbst Unwetter und Stürme meine Brüder. Wie kann ich sie da hassen oder verfluchen? Wenn es regnet, dann begrüße ich den Regen als meinen Bruder; ich lasse die Regentropfen an mir herablaufen und spüre, wie mich dieses Wasser sanft streichelt und vielleicht sogar Sorgen oder Probleme fortwäscht. Der Wind schenkt mir neue Energie, der Schnee erfreut mir Augen und Herz. Und in jedem Wetter spüre ich Leben in Form von Naturgeistern - Nyaden im Nebel, Wimmen im Gewittersturm, Feen im Windhauch etc. Deshalb liebe ich jedes Wetter und finde es schön.

Ja, die ganze Natur ist beseelt. Ich liebe den Gedanken, dass wir alle miteinander verbunden sind durch die unsichtbaren Fäden aus dem Herzen des weißen Rentiers, das bei der Erschaffung der Welt tief in der Erde versenkt wurde und das dort schlägt und uns Leben schenkt. Manchmal, wenn ich in den Weiten des Nordens unterwegs bin, in den Bergen, in der Tundra oder an einem See, kann ich diesen Herzschlag hören. Dann spüre ich die Freiheit meines Körpers und meiner Seele, und ich spüre Dankbarkeit und Zufriedenheit in meinem Herzen. Es ist so schön zu leben! In diesen Weiten des Nordens bin ich zu Hause. Hier, wo man die Stille hören kann, wo sie geradezu "ohrenbetäubend" sein kann, wenn nicht das leichte Wehen des Windes oder Vogelgezwitscher die Stille sanft durchbricht. In dieser Stille wird es leicht, auf die innere Stimme zu hören, und es kommt sicher nicht von ungefähr, dass viele Sámi telepathische Fähigkeiten besitzen.

Magie der Vegetation

Sie glauben auch an die Zweiteilung der Seele. Sie unterscheiden zwischen der eher patriarchalisch-vernünftigen Körperseele, die mit dem Tod erlischt, und der eher matriarchalisch-emotionalen freien Seele, die unsterblich ist und sich daher schon im Leben vom Körper lösen und Kontakt mit anderen Welten aufnehmen kann. Und derer gibt es viele im samischen Weltbild; schon die alten Sámi unterschieden zwischen fünf Welten: das Reich der Götter, die sichtbare Wirklichkeit, die nicht sichtbare Wirklichkeit, das Unterirdische und das Totenreich. Die Grenzen zwischen den Welten sowie zwischen Mensch und Tier waren fließend. Selbst heute, Jahrhunderte nach ihrer Zwangschristianisierung, fühlen sich die Sámi noch den verschiedenen Welten verbunden.

Auch das ist etwas, was ich von ihnen gelernt habe. Für mich ist es zum Beispiel etwas Selbstverständliches, meine Mahlzeiten mit Tieren und Naturgeistern zu teilen, wenn wir Kontakt miteinander aufnehmen. Apropos Naturgeister: Am verbreitetsten sind im hohen Norden Trolle (die in den Wäldern leben und klein und freundlich sind im Gegensatz zu den übermenschlich großen Trollen, wie man sie in Mitteleuropa kennt) und Elfen (deren Tanz man am besten in nächtlichen Nebelschwaden beobachten kann; noch intensiveren Kontakt zu ihnen bekommt man allerdings zweifellos auf Ísland). Um sie figürlich zu sehen, bedarf es zumeist intensivsten Kontakts und sehr, sehr vieler Geduld - aber das muss doch auch gar nicht sein! Wer zu sehr darauf aus ist, Naturgeister zu sehen, merkt meist gar nicht, dass er bereits in Scharen von ihnen umgeben ist. Es ist viel leichter, sie zu erspüren - und spüren kann man sie überall.

Magie der Vegetation

Nicht zu konkret denken, sich auf das Unerklärliche einfach einlassen und es als völlig natürlich hinnehmen - auch das habe ich von den Sámi gelernt. "Über wundersame Erscheinungen soll man nicht grübeln. Wundersame Dinge im Leben sind mit unserem Verstand nicht erfassbar", sagte einst ein samischer Rentierzüchter. Er hat ja so Recht! Für die Sámi ist zum Beispiel auch das Polarlicht nicht ein wissenschaftlich genau definiertes Naturphänomen, sondern eine Verbindung zwischen den Welten, in der die Seelen unserer Ahnen Kontakt zu uns aufnehmen und über uns wachen...

Der hohe Norden steckt voller Magie. Ob in den Weiten Nordskandinaviens, im Zusammenspiel der Elemente auf Ísland oder in den unberührten Tundren und den gewaltigen Gletschern auf Svalbard: Hier spüre ich Leben selbst im kleinsten Kieselstein, hier höre ich in der sanften Stille meine innere Stimme, hier fühle ich die Gegenwart unsichtbarer Wesen, die mir nur Gutes wollen, so wie ich ihnen. Hier atme ich frische, kühle Luft ein, bis es in den Lungen beinahe schmerzt, und empfinde eine unendliche Liebe zur Natur und zum Leben - zu dem aller anderen wie auch zu meinem eigenen. Mein Ziel ist die gedankliche, emotionale und intuitive Harmonie mit der Natur und ihren Geschöpfen. Und damit auch mit mir selbst.

Ich bin ein Kind der Erde und der Sonne.

Das weiße Rentier Die Sámi Die Weiten in mir
Ylva, Witch of the North Die Schneeflocke Positive Gedanken
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